Tax Compliance Digitalisierung

Digitalisierung in Steuern „steuern“ – Fragen über Fragen

„Transformation“ der „Finance Functions“ ist eines der Buzzwords in dieser Zeit. Nur was bedeutet dies konkret für die Steuerfunktion oder Zollabteilung eines Unternehmens, für die Beratung und die Finanzverwaltung oder Zollbehörden? „Transformation“ beinhaltet richtigerweise eine digitale Unterstützung der verschiedenen Prozesse, die Tax und Trade Compliance sowie Tax & Zoll Planungen ausführen und unterstützen. Die Beispiele hierzu sind vielfältig.

Faktor Verrechnungspreise

Wie sieht die Kombination zwischen den Verrechnungspreisen, der Umsatzsteuer und den Zoll konkret aus? Die Verrechnungspreise nehmen einen breiten Raum im Ablauf der steuerlichen Prozesse und Compliance ein. So sind Verrechnungspreise erforderlich, um in den miteinander verbundenen Unternehmen die Preise für Lieferungen zwischen den verschiedenen Unternehmen bestimmen zu können. Die verbundenen Unternehmen sollten sich für die Ermittlung des „richtigen“ steuerlichen Gewinns wie fremde Dritte untereinander verhalten – so die Theorie. In der Praxis ist die Preissetzung allerdings nicht immer einfach. Die verschiedenen Regierungen der sogen. G 20 Ländern haben deshalb die OECD in ihrer Initiative Base Erosion and Profit Shifting (kurz: BEPS) unterstützt. In den Maßnahmen 8 bis 10 sowie 14 werden nach BEPS weitgehende Dokumentationen für eine „richtige“ Preisbestimmung verlangt.

Beachte | Ziel soll dabei sein, die Gewinnverlagerungen in Ländern mit niedrigem Steuersatzniveau zu vermeiden.

Dokumentation von Unternehmensprozessen

Was bedeutet dies für die steuerliche Dokumentation von Unternehmensprozessen? Supply Chain Gesellschaften haben beispielsweise den Zweck, Chancen und Risiken in den Unternehmensprozessen wie des Einkaufs, der Produktionssteuerung und der Logistik zu optimieren. Eine steuerliche Analyse dieser Prozesse wird notwendig, um der BEPS Initiative, den neuen Compliance-Anforderungen gerecht zu werden. Außerdem ist die Umsatzsteuer als regionale, europäische Steuer zu berücksichtigen. Sie bezieht sich auf die Umsätze mit den verschiedenen verbundenen Gesellschaften, aber auch Lieferanten und Kunden. Die Relevanz einer einheitlichen Regelung für die Umsatzsteuer ergibt sich in den beschriebenen verrechnungspreistechnischen Kontext, aus deren akkuraten Ermittlung und Dokumentation. Fehler in der administrativen Behandlung der Umsatzsteuer führen dabei schnell zu Korrekturen, die den Gewinn belasten können, wenn die Umsatzsteuer nicht abzugsfähig wird oder Nachzahlungszinsen im Falle einer Korrektur der Umsatzsteuer festzusetzen sind.

Wird die Umsatzsteuer im Falle einer Einfuhr von Gütern in die Europäische Union bei Grenzübertritt als Einfuhrumsatzsteuer geschuldet und wie der Zoll und die Frachtkosten als Kosten verbucht, geht ein Vorsteueranspruch verloren. Die exakte Betrachtung der verschiedenen Compliance-Anforderungen für die Verrechnungspreise, die Umsatzsteuer als auch den Zoll wird durch eine digitale Unterstützung der Prozesse vereinfacht und führt damit zu Kostensenkungen.

Zum Schluss | Ein tiefes Verständnis für eine „digitale Transformation“ der Steuer- und Zollfunktionen eines Unternehmens werden in einem neuen Masterstudiengang an der WU Wien vermittelt. Durch eine intensive akademische Betrachtung verbunden mit praktischen Beispielen werden die steuerlichen Kompetenzen für die Digitalisierung geschaffen. Die Wirtschafts-Universität Wien ist bekannt für ihre internationale Vernetzung und Qualität und wird ab dem Wintersemester 2020/2021 einen neuen Studiengang für die Transformation der steuerlichen Compliance anbieten.

Weitergehende Informationen zum Masterstudiengang finden sich unter:https://executiveacademy.at/en/programs/master-of-laws/llm-digitalization-tax-law oder in der Info-Session:  https://vimeo.com/430662099/4a2fe86064Die Kurse starten im Oktober 2020. Alle Vorsichtsmaßnahmen mit Blick auf COVID 19 sind getroffen. Das Unterrichtsmodell sieht vor, das für das Jahr 2020 gegebenenfalls auch Online-Kurse stattfinden. Die praktischen Elemente sind überwiegend für das Jahr 2021 vorgesehen.